Warum Atmen bei der Geburt so wichtig ist
Der Atem ist das mächtigste Werkzeug, das dir während der Geburt zur Verfügung steht – und du hast ihn immer dabei. Gezieltes, bewusstes Atmen hat mehrere entscheidende Vorteile: Es versorgt dich und dein Baby mit ausreichend Sauerstoff, aktiviert das parasympathische Nervensystem (deinen „Entspannungsmodus") und gibt dir etwas, worauf du dich in intensiven Wehenmomenten fokussieren kannst. Viele Geburtsvorbereitungskurse setzen daher einen starken Schwerpunkt auf Atemübungen.
Grundregel: Nie die Luft anhalten
Das Wichtigste zuerst: Halte unter einer Wehe niemals die Luft an. Luft anhalten erhöht die Anspannung im gesamten Körper, verschlechtert die Sauerstoffversorgung des Babys und macht Schmerzen oft intensiver. Atme stattdessen bewusst und gleichmäßig weiter – auch wenn es in intensiven Momenten herausfordernd ist.
Die wichtigsten Atemtechniken im Überblick
1. Die tiefe Bauchatmung (Zwerchfellatmung)
Diese Grundtechnik ist die Basis aller Geburtsvorbereitung. Du atmest tief in den Bauch – sichtbar am Heben und Senken des Bauches, nicht der Brust.
- Lege eine Hand auf deinen Bauch, eine auf deine Brust.
- Atme langsam durch die Nase ein – die Bauchhand hebt sich, die Brusthand bleibt möglichst ruhig.
- Atme langsam und gleichmäßig durch den leicht geöffneten Mund aus.
- Ziel: Die Ausatmung ist länger als die Einatmung (z. B. 4 Sekunden ein, 6–8 Sekunden aus).
Wann anwenden: Ideal für die Eröffnungsphase, besonders beim Einsetzen jeder Wehe.
2. Die hechelnde Atmung (Hecheln)
In der Übergangsphase – wenn Wehen sehr stark und dicht werden – kann tiefe Bauchatmung manchmal nicht aufrechterhalten werden. Kurzes, schnelles Hecheln durch den Mund kann helfen, diese intensive Phase zu überbrücken.
Achtung: Hecheln kann zu Hyperventilation führen. Kombiniere es daher immer mit einer bewussten langen Ausatmung zwischendurch. Übe diese Technik vorab – am besten im Geburtsvorbereitungskurs unter Anleitung.
3. Die Pressatmung (in der Pressphase)
Wenn der Muttermund vollständig geöffnet ist und du pressen kannst, wird eine andere Atemtechnik eingesetzt. Du atmest tief ein, hältst kurz die Luft an (ca. 5–6 Sekunden) und setzt den Atemdruck nach unten ein – ähnlich wie bei der Darmtätigkeit. Zwischen den Pressbemühungen normal durchatmen.
Wichtig: Die Hebamme begleitet dich durch die Pressphase und gibt dir konkrete Anweisungen. Vertrau auf ihre Führung.
4. Die Lippenbremse (verlängerte Ausatmung)
Atme durch die Nase ein und durch locker zusammengepresste Lippen langsam aus – wie beim Blasen einer Kerze, aber ohne Druck. Diese Technik verlangsamt die Atmung natürlich, senkt den Blutdruck und aktiviert die Entspannungsreaktion des Körpers.
So übst du die Atemtechniken vor der Geburt
- Täglich üben: Auch 5–10 Minuten täglich reichen, um Atemtechniken zu verinnerlichen.
- Partner einbeziehen: Dein Partner kann die Einatmung ankündigen und die Ausatmung begleiten – mit ruhiger Stimme oder sanfter Berührung.
- Kurs besuchen: Im Geburtsvorbereitungskurs werden Atemübungen praxisnah geübt und an Wehensituationen angepasst.
- Kombination mit Entspannung: Verbinde Atemübungen mit progressiver Muskelentspannung oder Visualisierungen für noch mehr Wirkung.
Fazit
Atemtechniken sind erlernbar und können unter der Geburt einen erheblichen Unterschied machen. Je mehr du sie im Vorfeld übst, desto natürlicher greifen sie in der Situation selbst – wenn dein Verstand vielleicht keine Kapazität mehr für komplizierte Anweisungen hat. Dein Atem ist dein zuverlässigster Begleiter auf dem Weg zur Geburt.